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EmpCo 2026: Was bedeutet das für nachhaltige Mode?
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EmpCo 2026: Was bedeutet das für nachhaltige Mode?

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Wenn gute Absichten plötzlich erklärungsbedürftig werden. Über Greenwashing, neue EU-Regeln und den Alltag eines unabhängigen Modeladens.

Es gab eine Zeit, da war „nachhaltige Mode“ eine ziemlich klare Ansage. Jedenfalls für uns.

Als wir Rotation vor vielen Jahren vom Plattenladen zur Modeboutique weiterentwickelten, wollten wir nicht einfach nur Kleidung verkaufen. Uns interessierten kleinere, unabhägige Labels, besondere Kollektionen, ausgewählte Materialien und Marken, die bei der Herstellung ihrer Kleidung andere Wege gehen wollten.

Natürlich war uns immer klar, dass auch die Herstellung eines guten Pullovers Ressourcen verbraucht. Und dass ein Kleidungsstück nicht allein dadurch nachhaltig wird, dass jemand dieses Wort auf ein Etikett druckt. Trotzdem gab es Begriffe, mit denen man eine bestimmte Idee von Mode vermitteln konnte: nachhaltig, umweltfreundlich, fair, verantwortungsvoll.

Heute muss man sehr viel genauer hinschauen, bevor man solche Wörter verwendet.

Greenwashing: Warum die EU neue Regeln eingeführt hat

Der Hintergrund ist eigentlich erfreulich.

Über Jahre konnten Unternehmen mit großen Umweltversprechen werben, deren Aussagekraft für KundInnen oft schwer einzuschätzen war. Grüne Etiketten, selbst gestaltete Siegel oder wohlklingende Begriffe vermittelten mitunter mehr, als sich tatsächlich belegen ließ.

Dieses sogenannte Greenwashing soll stärker eingeschränkt werden.

Dafür hat die Europäische Union die EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825 beschlossen. Der Name steht für Empowering Consumers for the Green Transition – also die Stärkung der Verbraucher beim ökologischen Wandel.

Seit dem 27. September 2026 gelten in Deutschland entsprechend verschärfte Regeln gegen irreführende Umweltwerbung.

Allgemeine Umweltaussagen wie „umweltfreundlich“ oder „grün“ dürfen nicht mehr ohne Weiteres verwendet werden. Entscheidend ist, was konkret behauptet wird, worauf sich die Aussage bezieht und ob die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Auch für Nachhaltigkeitssiegel gelten strengere Anforderungen.

Das finden wir grundsätzlich richtig. Denn wer sich ernsthaft mit Materialien, Herstellungsbedingungen und Lieferketten beschäftigt, sollte nicht mit Unternehmen konkurrieren müssen, die sich durch ein paar grüne Schlagwörter einen Vorteil verschaffen.

So weit, so gut.

EmpCo im Modehandel: Und dann kommt der Alltag

Wir betreiben einen unabhängigen Modeladen in Berlin-Mitte. Wir haben keine Rechtsabteilung und kein eigenes Team, das sich ausschließlich mit Zertifizierungen und europäischen Richtlinien beschäftigt.

Was wir haben, ist ein Sortiment mit vielen unterschiedlichen Labels, jede Menge Produktinformationen und einen Onlineshop, der gepflegt werden muss.

In den vergangenen Wochen und Monaten haben wir deshalb zahlreiche Produktbeschreibungen überarbeitet. Umweltbezogene Formulierungen geprüft, Angaben gestrichen oder präzisiert, Zertifikatsnummern gesucht, Herstellerinformationen ergänzt und versucht herauszufinden, welche Aussage sich tatsächlich auf welches Produkt bezieht.

Manchmal ist das erstaunlich kompliziert. Da findet man auf einem Hangtag eine Zertifizierungsnummer, auf der Herstellerwebsite andere Informationen. Ein Stoff besteht laut Hersteller aus zertifizierter Baumwolle. Aber bedeutet das auch, dass das fertige Kleidungsstück entsprechend zertifiziert ist?

Nicht unbedingt. Und plötzlich sitzt man vor einem Pullover, dessen Material und Herstellung man eigentlich guten Gewissens vertreten möchte, und überlegt, welche drei Wörter man in der Produktbeschreibung besser nicht (mehr) verwendet.

Bio-Baumwolle und GOTS: Das Problem ist nicht die Wahrheit, sondern ihr Nachweis.

Besonders interessant wird es bei kleineren Modemarken.

Ein Beispiel: Ein Label kauft zertifizierte Bio-Baumwolle ein. Anschließend wird die Faser gesponnen, gefärbt, verarbeitet und schließlich zu einem Kleidungsstück vernäht.

Damit das fertige Produkt als GOTS-zertifiziert beworben werden darf, müssen die entsprechenden Anforderungen an die textile Verarbeitung und die Zertifizierungskette erfüllt sein.

Eine ursprünglich zertifizierte Bio-Baumwollfaser allein reicht dafür nicht. Das bedeutet nicht, dass aus der Bio-Baumwolle plötzlich konventionelle Baumwolle geworden ist. Es bedeutet aber, dass der Nachweis über die Faser etwas anderes ist als die Zertifizierung des fertigen Kleidungsstücks.

Diese Unterscheidung gab es übrigens schon vor EmpCo. Die neuen Regeln machen es für Händler umso wichtiger, genau zu prüfen, welche Aussagen sie gegenüber ihren Kunden treffen.

Für kleine Labels und Händler ist das nicht immer einfach. Informationen müssen über verschiedene Produktionsstufen hinweg verfügbar, verständlich und nachvollziehbar sein. Und manchmal bleibt trotz aller Nachfragen eine Lücke.

Nachhaltige Mode: Weniger Versprechen, mehr Transparenz

Wen sollen die neuen Regeln schützen? Natürlich die Kundinnen und Kunden.

Niemand sollte für ein Kleidungsstück mehr bezahlen, weil er aufgrund einer irreführenden Aussage glaubt, es habe besondere Umweltvorteile.

Gleichzeitig wünschen wir uns, dass bei der Umsetzung auch die Realität kleiner Unternehmen berücksichtigt wird. Denn es wäre eine merkwürdige Entwicklung, wenn ausgerechnet diejenigen, die sich intensiv mit Materialien und Herstellungsbedingungen beschäftigen, irgendwann lieber gar nichts mehr darüber erzählen – aus Sorge, eine Formulierung könnte rechtlich problematisch sein.

Vielleicht müssen wir alle lernen, anders über Mode zu sprechen. Weniger große Versprechen. Mehr konkrete Informationen. Weniger „gut für die Umwelt“. Mehr darüber, was tatsächlich im Kleidungsstück steckt, wo es hergestellt wurde und welche Angaben überprüfbar sind.

Damit können wir gut leben, aber einfach ist dieser Weg nicht. Und deshalb möchten wir in den kommenden Beiträgen genauer hinschauen: auf Bio-Baumwolle, GOTS-Zertifizierungen, die Schwierigkeiten kleiner Labels und die Frage, wie mehr Transparenz entstehen kann, ohne dass dabei die Vielfalt unabhängiger Mode auf der Strecke bleibt.

Drei Fragen zu EmpCo und nachhaltiger Mode

Was ist die EmpCo-Richtlinie?

Die EU-Richtlinie 2024/825 stärkt den Verbraucherschutz gegen irreführende Umweltwerbung. Sie verschärft unter anderem die Regeln für allgemeine Umweltaussagen, Nachhaltigkeitssiegel und bestimmte Aussagen über die künftige Umweltleistung von Produkten und Unternehmen.

Ist der Begriff „nachhaltige Mode“ jetzt verboten?

Nicht jede Erwähnung des Begriffs ist verboten. Entscheidend ist, ob damit ein Umweltvorteil beworben wird und welche konkrete Aussage entsteht. Allgemeine Umweltversprechen unterliegen strengen Anforderungen. Eine sachliche Diskussion des Begriffs ist etwas anderes als die pauschale Bewerbung eines Sortiments als „nachhaltig“.

Ist Kleidung aus Bio-Baumwolle automatisch GOTS-zertifiziert?

Nein. Die Verwendung von Bio-Baumwolle allein bedeutet nicht, dass das fertige Kleidungsstück GOTS-zertifiziert ist. Dafür müssen die Anforderungen des Standards an die entsprechenden Verarbeitungsschritte, die Zertifizierungskette und die Produktkennzeichnung erfüllt sein.

Quellen / Weiterlesen:


Das ist der erste Teil unserer Reihe „Gut gemeint. Schwer gemacht.“ über Mode, Umweltversprechen und die Herausforderungen unabhängiger Händler.

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